Zivilcourage Straubing
–Bogen
Norbert
Schott,
Bündnis für gentechnikfreien Anbau
Edenhof 1
www.zivilcourage-straubing-bogen.de
94344 Wiesenfelden
Tel.
09966/470, Fax 09966/910606, em@il: norbert.schott@gmail.com
Zivilcourage Straubing Bogen
Gensoja: Fluch oder
Segen?
Brasilien ist in den letzten
zwanzig Jahren zum zweit wichtigsten Produzenten von Soja und zum
wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot aufgestiegen. Entwaldung,
Zunahme des Pestizideinsatzes, Zerstörung der Lebensgrundlage von
indigenen Völkern und Kleinbauern, Landkonzentration, Sklavenarbeit,
Landflucht und Zunahme der Armut auf dem Land sind Auswirkungen, die
eine andere Seite der Sojamonokultur deutlich machen. Nach der
BSE-Krise in Europa gewann der Sojaimport an Bedeutung, denn in der
Tierfütterung stellt Sojaschrot als Eiweißträger den billigsten
Ersatz für das inzwischen verbotene Tiermehl dar. Allein in
Deutschland werden jährlich drei Millionen Tonnen Sojaschrot,
teilweise aus genverändertem Soja, importiert.
In die herbizidresistente
Roundup-Ready-Sojabohne wurden Gene biotechnologisch eingefügt, die
sie vor der schädigenden Wirkung des Spritzmittels Roundup schützen,
das als Totalherbizid jede Pflanze vernichtet. Damit ist es möglich,
Roundup während der Wachstumsphase der RRSoja im Pflanzenbestand
einzusetzen, um die so genannten Unkräuter abzutöten, nicht jedoch
die Sojabohnen.
Die Anbieter gentechnisch
veränderten Saatguts versprechen dadurch einen verringerten Einsatz
an Herbiziden, höhere Erträge sowie finanzielle und
arbeitswirtschaftliche Vorteile. Mittlerweile zeigen sich aber die
negativen Folgen und die Versprechen werden nicht eingehalten: der
Pestizideinsatz steigt massiv, das zieht verheerende Auswirkungen
auf Böden, Flora und Fauna nach sich, und die Produktionskosten der
Bauern sind gestiegen.
Dr. Antonio Inacio Andrioli,
ausgebildeter Agrartechniker aus Campina das Missoes/Brasilien,
promovierte im Fachbereich Soziologie an der Universität Osnabrück
zum Thema "„Biosoja versus Gensoja": Eine Studie über Technik und
Familienlandwirtschaft im nordwestlichen Grenzgebiet des
Bundeslandes Rio Grande do Sul/Brailien. 2006 erschien diese Arbeit
als Buch „Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen“ im emu-Verlag. Darin
beschreibt er die schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung
sowie die sozialen Auswirkungen des Anbausystems mit gentechnisch
veränderten Sorten.
Auf Einladung von Zivilcourage
Straubing-Bogen, dem Bündnis für gentechnikfreien Anbau kam Dr. Andrioli am 03. April 2009 nach Sossau, um über die Folgen des
Anbaus von Roundup-Ready-Soja in seiner Heimat zu berichten.
_______________________________________
Informationen zur Gentechnik
Definition:
Gentechnik ist die Neukombination von Erbanlagen über Artgrenzen
hinweg. Zum Beispiel Bakteriengift im Mais: Bt-Mais
Geschichte:
Gentechnische Verfahren gibt es seit 1973. Erste
Freisetzungsversuche seit 1980. 2003 werden weltweit ca. 70 Mio. ha
genmanipulierte Pflanzen angebaut. Im wesentlichen Raps, Mais, Soja
und Baumwolle. 80% aller gentechnisch veränderten Pflanzen wandern
in den Futtertrog unserer Nutztiere und gelangen so in die
Nahrungskette. 70% der Bauern und Verbraucher lehnen Gentechnik in
Lebensmitteln ab.
Kennzeichnungspflicht:
Lebensmittel unterliegen der EU-Kennzeichnungspflicht, wenn sie
"zufällige oder technisch unvermeidbare GVO-Spuren von mehr als 0,9%
pro Inhaltsstoff enthalten". Lebensmittel tierischer Herkunft sind
nicht kennzeichnungspflichtig.
Folgen der Anwendung gentechnischer veränderter Kulturen einmal
freigesetzter Gene sind in der Natur nicht mehr rückholbar.
-
Unkontrollierte Verbreitung kann u.a. durch Pollenflug,
Insektenbestäubung, Verluste und Vermischungen bei Transport,
Lagerung und Verarbeitung erfolgen
-
Schädigung
von Nützlingen erfolgt durch direkten Kontakt mit der Pflanze,
über deren Nahrungskette, oder mit Ernterückständen im Boden
(Bodenlebewesen)
-
Beschleunigte Selektion tritt bei Schadorganismen durch den
häufigen Kontakt mit den Giften auf.
-
Herbizidresistenz von Ackerunkräutern wird durch Auskreuzung
hervorgerufen und führt zu Höherem Pestizidverbrauch als ohne
Gentechnik
-
Antibiotikaresistenz als Markergen kann Bakterien gegen
Antibiotika unempfindlich werden lassen
-
Verlust an
Sortenvielfalt und regionalen Besonderheiten lässt die
Genreserven der konventionellen Züchter schrumpfen
-
Gesundheitliche Folgen sind durch fehlende Langzeitversuche kaum
abschätzbar. Neue Gene in veränderter Pflanzen können ebenso
auch Allergene sein
-
Patentierung von Sorten verleiht dem Inhaber monopolartige
Rechte, ein Nutzer muss Lizenzen zahlen
-
Produkthaftung müssen nach geltendem Recht immer die Anwender
voll übernehmen. Keine Versicherung übernimmt einen
Versicherungsschutz
Information:
Von Glyphosat, dem Wirkstoff in roundup und basta wurden in den USA
1995 ca. 3000 Tonnen eingesetzt, 2001 um die 15.000 Tonnen. Durch
das Gift kann eine Pflanze lebenswichtige Eiweißbausteine nicht mehr
herstellen und stirbt ab. Genmanipulierte Pflanzen sind immun gegen
diesen Wirkstoff und werden somit zum "Superunkraut". Dieses Mittel
sei nach Angaben der Hersteller durch seine schnelle Abbaubarkeit
besonders umweltfreundlich und stelle somit keine Gefährdung des
Grundwassers dar. Dänische Forscher fanden allerdings Verunreinigung
mit Gyphosat im Grundwasser, daraufhin erließ die dänische Regierung
Einschränkungen der Anwendung von Glyphosat.
Die Gemeinde Ascha
strebt einen gentechnischfreien
Anbau an.
Bereits 80% haben sich dazu schriftlich bereit erklärt
Machen auch Sie mit! Unser Handeln bestimmt unsere Zukunft!
Nähere Informationen und Ansprechpartnerin hierzu ist
Frau Cornelia Maurer, Hochfeld 5, 94347 Ascha, Tel. 09961/6281

Gesundheitliche Risiken
Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten
Lebensmitteln auf die Gesundheit sind nicht geklärt.
Die neue Qualität der Gentechnik besteht im
Vergleich zu klassischen Züchtungsverfahren darin, dass einzelne
Gene isoliert, artübergreifend miteinander kombiniert und in
Empfängerorganismen eingebaut werden können. Das ist möglich, weil
das Erbmaterial bei allen Lebewesen – bei Menschen, Tieren, Pflanzen
oder Mikroorganismen – nach dem gleichen Muster ("Code") aufgebaut
ist.
Durch Gentechnik treten Gene und die
entsprechenden Produkte in der Nahrung auf, die der Mensch - obwohl
ein Omnivor (Allesfresser) - niemals zuvor in seinem Essen hatte. So
wird etwa die Insektenresistenz bei Mais durch das Einbringen von
Erbmaterial von Bodenbakterien in die Maispflanze erzielt.
Unzureichende Zulassungsverfahren für
gentechnisch veränderte Lebensmittel
Gentechnisch veränderte Lebensmittel durchlaufen
ein Zulassungsverfahren, bevor sie auf den Markt und in den Magen
kommen. Jedoch testen in der Regel die Hersteller die Sicherheit
ihrer Genlebensmittel selbst. Über Fütterungsversuche wird
ermittelt, welche Auswirkungen der Verzehr von Genpflanzen auf
Versuchstiere hat.
Das Problem dabei ist: Die Ergebnisse von
Tierversuchen sind nicht auf Menschen übertragbar. Zudem entsprechen
die in den Zulassungsanträgen zitierten Versuche in Design, Umfang
und Dauer zumeist nicht den Erfordernissen, die an aussagekräftige
Versuche zu stellen sind. Der Großversuch mit Menschen, ob
gentechnisch veränderte Lebensmittel sicher sind oder nicht, läuft
deshalb außerhalb des Labors – und ohne jede Einwilligung der
menschlichen Testpersonen.
In weiteren Versuchsreihen wird nach bekannten
Allergenen bzw. dem allergenen Potenzial der Genpflanzen gesucht.
Dabei werden die nach der neuen Geninformation hergestellten Eiweiße
mit bekannten Allergieauslösern verglichen, und es wird an
Zellkulturen beobachtet, wie diese auf das neue Eiweiß reagieren. Da
nur vom bereits Bekannten auf das Unbekannte geschlossen werden
kann, besteht folgende Gefahr: Sollte etwas völlig Unbekanntes
auftauchen, würde es möglicherweise nicht einmal bemerkt werden, da
es durch die angewandten Testraster fällt.
Neue Allergien und
Antibiotikaresistenzen durch gentechnisch veränderte Lebensmittel?
Im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten
Lebensmitteln werden in erster Linie zwei Gesundheitsrisiken
diskutiert : das Entstehen von neuen Allergien und von weiteren
Antibiotikaresistenzen.
Die in verschiedene Nutzpflanzen – bisher
hauptsächlich in Mais, Soja und Raps – neu eingebrachte
Erbinformation produziert Proteine. Proteine sind potenzielle
Allergieauslöser, und Lebensmittelallergien beruhen auf einer
Überempfindlichkeit gegenüber Proteinen. Darüber hinaus kann die
gentechnische Veränderung auch zu unerwarteten Veränderungen im
Stoffwechsel der Pflanzen führen, die die Qualität der daraus
hergestellten Lebensmittel beinträchtigt.
Ein weiteres mit gentechnisch veränderten
Lebensmitteln verbundenes Problem sind die in eine Vielzahl von
Pflanzen eingebauten Antibiotikaresistenzgene. Diese werden als
sogenannte Markergene benutzt, mit deren Hilfe festgestellt werden
soll, ob die an der Pflanze vorgenommene Genmanipulation erfolgreich
war. Die Antibiotikaresistenzgene können sich auf Bakterien im
menschlichen Darm übertragen. Dadurch besteht die Gefahr, dass immer
mehr in der Humanmedizin genutzte Antibiotika unwirksam werden.
Wenn die Hersteller genmanipulierter
Lebensmittel behaupten, Genlebensmittel seien die am besten
getesteten Lebensmittel überhaupt, so ist das Unsinn. Die am besten
getesteten Lebensmittel sind die, die Menschen seit Generationen
verspeisen. Nicht die Lebensmittel, die Labortiere vorgesetzt
bekommen oder die in Zellkulturen getestet werden.
Woran erkenne ich ein gentechnisch
verändertes Lebensmittel?
Wenn es nicht gekennzeichnet ist - mit bloßem
Auge gar nicht. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind also ganz
auf das angewiesen, was auf der Packung angegeben ist. Nach den bis
zum Jahr 2004 gültigen Gesetzen war jedoch nur ein kleiner Teil
derjenigen Lebensmittel kennzeichnungspflichtig, der auf irgendeiner
Verarbeitungsstufe mit Gentechnik in Berührung gekommen ist.
Der Grund: Die Kennzeichnungspflicht war bisher
an den Nachweis von Fremd-DNA oder Fremd-Protein gebunden. Diese
Regelung hatte zur Folge, dass z.B. Öle und pflanzliche Fette, die
zu 100 Prozent aus Gensoja, Genmais oder Genraps gewonnen sind,
nicht als Gentech-Produkte ausgewiesen werden mussten, denn bei
ihrer Herstellung wurden durch Erhitzungs- oder Reinigungsprozesse
sämtliche Spuren der Genveränderung getilgt.
Erst mit der
EU-Verordnung
über genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel (Nr. 1829/2003)
trat am 18. April 2004 eine verbesserte
Kennzeichnungspflicht in Kraft. Jetzt greift ein sogenanntes
Rückverfolgbarkeitssystem, das zwei Ziele verfolgt: Einerseits
verpflichtet es diejenigen, die gentechnisch veränderte Organismen in der
Lebensmittelproduktion einsetzen, Ursprung und Verbleib der
verwendeten Produkte durch den gesamten Verarbeitungsprozess
hindurch zu dokumentieren und eine Kennzeichnung auch dann
vorzunehmen, wenn der gentechnisch veränderte Organismus im
Endprodukt nicht mehr nachweisbar ist.
Dies betrifft
hauptsächlich die erwähnten Öle und pflanzlichen Fette, aber auch
Stärke, die aus Gentech-Mais gewonnen wurde. Die
Regelung ermöglicht auch Rückrufaktionen, wenn sich ein
Lebensmittel, das gentechnisch veränderte Bestandteile erhält, als
gesundheitsgefährdend erweist.
Weiterhin von der
Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind Produkte von Tieren, die mit
gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert worden sind, also
Milch, Fleisch und Eier. Das ist umso ärgerlicher, als 80 Prozent
aller Gentech-Pflanzen ins Tierfutter wandern.
Wie kann ich mich
gentechnikfrei ernähren?
Die Mahlzeiten aus
frischen Zutaten selbst zubereiten und Fertigprodukte und "Schnelle
Küche" meiden. Generell gilt nämlich: Je stärker ein Gericht
vorproduziert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass
einzelne Inhaltsstoffe mit Gentechnik in Berührung gekommen sind.
Nach Möglichkeit gut
einkaufen:
- Ökologische
Produkte; gekennzeichnet sind ökologische Produkte mit den
jeweiligen Zeichen der Anbauverbände (ANOG, Biokreis, Bioland,
Biopark, Demeter, Gäa, Naturland), mit dem staatlichen
BIO-Siegel oder dem EU-Bio-Siegel
- Frisches Obst und
Gemüse aus der Region
- Sortenreine
pflanzliche Öle wie Olivenöl, Sonnenblumenöl, Distelöl, Nussöle
- Lebensmittel mit dem
"Ohne-Gentechnik"-Zeichen
Ökologische Risiken
Die Agro-Gentechnik birgt
ökologische Risiken, die nicht abschätzbar sind.
Beim Einsatz der
Gentechnik in der Landwirtschaft gilt: Wir wissen, dass wir fast
nichts über langfristige, indirekte und komplexe Wechselwirkungen
von gentechnisch veränderten Pflanzen mit der agrarischen und
nicht-agrarischen Umwelt wissen. Ein Grund dafür ist, dass
ökologische Fragestellungen bei Freisetzungsexperimenten kaum
berücksichtigt werden: in Deutschland nur bei 15 Prozent aller
Freilandexperimente, weltweit sogar nur bei einem Prozent aller
Freisetzungen.
Sofern Befunde zu den
Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Umwelt
vorliegen, geben diese Anlass zur Besorgnis:
Gentechnisch veränderte
Pflanzen können sich in Ökosystemen ausbreiten und ihre neuen
Eigenschaften auf verwandte Wildarten übertragen. In Europa besteht
diese Gefahr besonders bei Raps und Zuckerrüben, da beide hier
beheimatet sind und über entsprechend viele verwandte Arten
verfügen. Pollen kann zudem durch Wind und Insekten über große
Entfernungen verbreitet werden, eine Auskreuzung kann über größere
Distanzen erfolgen, als bisher angenommen.
Bei Raps ist die häufigste
Eigenschaft, die durch Gentechnik in die Pflanze eingebracht wird,
die Resistenz gegen ein spezifisches Pflanzenschutzmittel (=
Herbizid). Ein solcher gentechnisch veränderter Raps wird als
herbizidresistent bezeichnet. Wird der Acker mit dem Herbizid
besprüht, überlebt allein der gentechnisch veränderte Raps. Viele
Studien haben gezeigt, dass sich die Herbizidresistenz von Raps auf
nahe verwandte Ackerkräuter auskreuzen kann. Aus der Kreuzung
entstehen "Superunkäuter", die nur noch mit einer Mischung
verschiedener Pflanzenschutzmittel bekämpft werden können.
Hinzu kommt, dass Raps selber auf anderen
Feldern als Unkraut auftritt. In Kanada, wo gentechnisch veränderter
Raps 75 Prozent des Rapsanbaus ausmacht, treten Rapspflanzen als
Unkräuter auf, die gleich gegen mehrere handelsübliche
Pflanzenschutzmittel resistent sind: Durch Kreuzung haben sich in
den Pflanzen Mehrfachresistenzen ausgebildet, d.h. die
Herbizidresistenzen mehrerer gentechnisch veränderter Rapssorten,
die gegen unterschiedliche Pflanzenschutzmittel resistent sind,
vereinen sich in einer Pflanze. Solche Rapspflanzen sind mit den
entsprechenden Herbiziden nicht mehr zu bekämpfen.
Die häufigste bei Mais und Baumwolle durch
Gentechnik bewirkte Eigenschaft ist die Insektenresistenz, die durch
den Einbau von Teilen eines Bodenbakteriums (Bacillus thuringiensis)
in die Pflanzen erzielt wird. Insektenresistenz bedeutet, dass die
gentechnisch veränderten Pflanzen ein Gift produzieren, das Insekten
tötet, die an ihnen fressen. Es zeigt sich allerdings , dass das
Insektengift nicht nur die Schädlinge tötet, die es töten soll,
sondern auch andere Insekten, denn das Gift der Gentech-Pflanze wird
über die Nahrungskette weitergegeben.
Das führt dazu, dass räuberische Insekten, die
sich von Insekten ernähren, die von der Gentech-Pflanze gefressen
haben, ebenfalls sterben können. Untersuchungen haben außerdem
gezeigt , dass das Insektengift von den gentechnisch veränderten
Pflanzen über die Wurzeln in den Boden abgegeben wird und dort
offenbar sehr stabil ist. Dies ist insofern brisant, als nur ein
Bruchteil der im Boden lebenden Mikroorganismen bekannt ist und
Erkenntnisse über Wechselwirkungen von dem von der Genpflanze
abgegebenen Gift und den Bodenmikroorganismen sowie bodenlebenden
Insekten und Nematoden nicht existieren.
Eine neue Spielart unerwarteter Nebenfolgen
insektenresistenter Pflanzen förderte eine Studie des Imperial
College London und der Universität Simon Rodriguez, Caracas, aus dem
Jahr 2003 zu Tage, für die Wissenschaftler Larven der Kohlmotte mit
von der Genpflanze hergestellten Proteinen fütterten. Statt toxische
Wirkung zu entfalten und die Larven zu töten oder wenigstens zu
schädigen, gediehen diese nach dem Proteinverzehr im Labor prächtig:
Die Kohlmotten nutzten das Protein als Nahrungsergänzung und wiesen
eine bis zu 56 Prozent höhere Wachstumsrate gegenüber mit
konventionellen Pflanzen gefütterten Artgenossen auf. Mögliche
Folgen für die Landwirtschaft: Kohlmotten, die nicht allein eine
Resistenz gegen diejenigen Genpflanzen ausgebildet haben, deren
Verzehr sie eigentlich töten sollte, sondern die Genpflanze quasi
als Wachstumsförderer für sich nutzen, könnten sich durch den
großflächigen Anbau insektenresistenter Genpflanzen zu einer wahren
Plage entwickeln.
Bei kommerziellem Anbau von GVO in Deutschland droht
gentechnikfreier Landwirtschaft mittelfristig das Aus
Innerhalb der EU beschränkt sich ein größerer
kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen bisher
allein auf Spanien. Hier wuchsen im Jahr 2005 etwa 50.000 bis 60.000
Hektar gentechnisch veränderter Mais, zum größten Teil der von
Monsanto entwickelte MON 810. Dies entspricht ungefähr 12 Prozent
der spanischen Maisanbaufläche. Die deutsche Anbaufläche von MON 810
für das Jahr 2006 nimmt sich mit knapp 950 Hektar (entspricht ca.
0,06 Prozent der gesamten Mais-Anbaufläche) dagegen relativ gering
aus.
Der - angesichts der Skepsis von
VerbraucherInnen sowie Bäuerinnen und Bauern - eher restriktive
Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen könnte sich jedoch bald
ändern. Die EU-Kommission hat das seit Oktober 1998 faktisch
bestehende Moratorium bei der Zulassung neuer GVO-Pflanzen im Mai
2004 aufgehoben. Zudem drängt die Industrie gerade auch in
Deutschland massiv auf den Anbau und umwirbt die Landwirte, auf
ihren Äckern endlich transgenes Saatgut auszusäen.
Sollte es weiter zu einem kommerziellen Anbau
von Genpflanzen kommen, droht eine langsame flächendeckende
gentechnische Kontamination von konventioneller und ökologischer
Landwirtschaft. Mittelfristig ist das Aus für die in der EU zur Zeit
noch weitgehend gentechnikfreie Landwirtschaft und
Lebensmittelproduktion zu befürchten. Denn: Wie sage ich den Bienen,
dass sie den Pollen doch bitte innerhalb der Felder mit gentechnisch
veränderten Pflanzen lassen möchten, wie verhindere ich, dass der
Wind den Pollen der Genpflanzen über weite Strecken verbreitet?
Besonders betroffen wäre die Ökolandwirtschaft:
Keine Gentechnik – das ist ein Grundsatz, zu dem sie sowohl
Selbstverständnis als auch Gesetz verpflichten. Doch auch die
konventionellen Bauern, die weiterhin gentechnikfrei produzieren
wollen, hätten das Nachsehen. Zum einen würden diejenigen Landwirte,
die ihren Kunden gegenüber vertraglich zur Lieferung
gentechnikfreier Ware verpflichtet sind, ihre Wirtschaftsgrundlage
verlieren, zum anderen bedeutet eine gentechnische Kontamination von
Saatgut, Erntegut und Futtermitteln für alle Bauern gleichermaßen
das Ende der Wahlfreiheit, sich für oder gegen die Anwendung einer
Technologie entscheiden zu können. Umfragen zufolge lehnen in
Deutschland 70 Prozent aller Bauern den Einsatz der Gentechnik in
der Landwirtschaft ab.
Was sich als mögliches zukünftiges Szenario für
Deutschland und die EU abzeichnet, ist in den drei Hauptanbauländern
von gentechnisch veränderten Pflanzen schon jetzt Realität. Die USA,
Argentinien und Kanada können bereits heute nicht mehr
gewährleisten, dass ihr Saatgut und ihre Ernten keine Gentechnik
enthalten – zu weit fortgeschritten ist bei ihnen der Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen, die gentechnische Kontamination
ist allgegenwärtig.
Das führt beim Sojaanbau in den USA zu einer
geradezu grotesken Situation. Die astronomisch hohe Anbauquote von
inzwischen fast 80 Prozent transgenem Soja resultiert nicht etwa
daraus, dass die Bauern einem qualitativ überlegenem Produkt den
Vorzug geben, sondern aus einem simplen ökonomischen und
alltagspraktischen Kalkül: Immer wieder wurden konventionell
wirtschaftende Soja-Bauern, auf deren Feldern ungewollt auch
gentechnisch veränderte Pflanzen wuchsen, vom Hersteller des
Gensojas, dem US-amerikanischen Konzern Monsanto, wegen Verletzung
des Patentschutzes verklagt und von den Gerichten zur nachträglichen
Zahlung von Lizenzgebühren verurteilt. Die Folge: Statt zweimal Geld
für Saatgut auszugeben – für das aus freier Entscheidung gekaufte
konventionelle und das mit dem konventionellen aufgrund von
Kontamination unfreiwillig erworbene gentechnisch veränderte –
greifen die Bauern lieber gleich zum transgenen Saatgut, zahlen nur
einmal und ersparen sich den Ärger eines aufwändigen
Gerichtsverfahrens, in dem sie nach derzeitiger Rechtslage ohnehin
unterliegen.
Angesichts des sich möglicherweise ausweitenden
kommerziellen Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU
steht momentan ein Begriff im Mittelpunkt der politischen Debatte: die
Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Einsatz der Gentechnik.
Derzeit werden sowohl in Berlin als auch in Brüssel die wesentlichen
Fragen debattiert:
- Wie sieht eine Koexistenz aus, die
garantiert, dass es weiterhin eine gentechnikfreie
Landwirtschaft gibt und nicht nur eine Landwirtschaft, die mehr
oder weniger stark gentechnisch kontaminiert ist?
- Welche Abstände zwischen Feldern sind
dafür erforderlich?
- Wie erfolgt die Absprache zwischen den
Landwirten? Wer trifft die Entscheidungen über den Anbau?
- Wie lässt sich die Warenkette von Handel
über Transport und Lagerung bis zur Verarbeitung vor
gentechnischer Kontamination schützen?
- Wer trägt die
Kosten, die für regelmäßige Kontrollen und für streng getrennte
Warenströme und Produktionslinien anfallen?
- Wer haftet im Falle
einer ungewollten Kontamination?
Auch für die deutsche
Landwirtschaft sind
Regelungen
zur "Guten fachlichen Praxis" noch nicht
beschlossen. Sie sollten nach den bereits beschlossenen
Novellierungen des
Gentechnikgesetzes
durch die Bundesregierung erlassen werden. Nun werden Sie im Laufe
der
vierten
Novelle erwartet.
Schon mit der der
ersten
Novelle des Gentechnikgesetzes wurden
Haftungsbestimmungen im Gesetz verankert, die eine
verschuldensunabhängige und gesamtschuldnerische Haftung des
Gentechnikanbauers festschreiben.
Versprechen der Agro-Gentechnik sind nicht
haltbar
Die Hersteller von
gentechnisch verändertem Saatgut sind mit Versprechen angetreten,
die sie nicht gehalten haben.
Steigerung der
Erträge
Nach derzeitiger Datenlage
sind die Erträge von gentechnisch verändertem Soja im Vergleich zu
herkömmlichem Soja geringer, während bei gentechnisch verändertem
Mais die Erträge gleich hoch wie bei normalem Mais ausfallen.
Verringerung des Pestizideinsatzes
Die Datenlage zum Pestizidverbrauch (Pestizid =
Oberbegriff für Pflanzenschutz- und Insektenbekämpfungsmittel) beim
Anbau von Genpflanzen erlaubt keine endgültigen Schlüsse. Da aber
Unkräuter und Insekten Resistenzen ausbilden, kommt es häufig zu
einer Zunahme des Pestizidverbrauchs: Wie Beobachtungen aus dem
großflächigen Anbau von Gensoja und Genbaumwolle in den USA zeigen,
entwickeln sich bei herbizidresistenten Pflanzen durch den
ausschließlichen Einsatz eines Wirkstoffes allmählich resistente
Ackerkräuter, d.h. es müssen von Saison zu Saison mehr
Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, um sie zu beseitigen.
Untersuchungen an insektenresistenten Pflanzen
belegen, dass sich die Schädlinge langsam an das Gift der
Genpflanzen anpassen und ihrerseits Resistenzen entwickeln. Die
Folge: eine Steigerung des Verbrauchs an Insektenbekämpfungsmitteln
in Genmaisfeldern in den USA.
Umweltfreundlichere Produktion
Beim Herbizidresistenz-System soll infolge der
Herbizidapplikation nach Bedarf (d.h. kein Spritzen im Vorauflauf)
die Ackerbegleitflora weniger geschädigt werden als beim bisherigen
Herbizideinsatz. Im Herbst 2003 veröffentlichte Ergebnisse
umfangreicher Studien in England (die so genannten Farm Scale
Evaluations) haben jedoch gezeigt: Im Vergleich zum konventionellen
System waren beim Anbau herbizidresistenter Raps- und
Zuckerrüben-Pflanzen Anzahl und Vielfalt der Wildkräuter auf und
neben dem Acker erheblich verringert. Bis zu 40 Prozent weniger
Blütenpflanzen wuchsen an den Ackerrändern. Das führte zu negativen
Auswirkungen auf die Insektenwelt und in der Folge auch zu
Gefährdungen von Vögeln und Wirbeltieren. Herbizidresistente
Pflanzen entlasten die Umwelt demnach nicht, sondern beeinträchtigen
die Artenvielfalt.
Bekämpfung des Hungers in der Dritten
Welt
Alle gentechnisch veränderten Pflanzen, die sich
bisher auf dem Markt befinden, sind auf die Monokulturen der
Landwirtschaft in den reichen Ländern des Nordens zugeschnitten,
nicht auf die regionalen Bedürfnisse der armen Länder des Südens.
Die Firmen, die gentechnisch verändertes Saatgut
anbieten, wollen damit Gewinne erwirtschaften und haben deshalb als
Abnehmer die kaufkräftigen Landwirte der Industrieländer, nicht aber
die armen Kleinbauern des Südens im Blick.
Grundsätzlich gilt: Hunger ist ein
gesellschaftliches und politisches Problem und kann deshalb nicht
durch den Einsatz von Technik gelöst werden. Zur Sicherung der
Nahrungsmittelversorgung der armen Staaten des Südens sind vor allem
folgende Maßnahmen erforderlich: Bekämpfung der Armut, Beendigung
von kriegerischen Auseinadersetzungen, Zugang zu Boden, zu Saatgut
lokal angepasster Pflanzensorten und zu Wasser sowie der Erhalt der
Bodenfruchtbarkeit.
Weiter zu ...
-
...
Nutznießern der Agro-Gentechnik
Hauptnavigation:
Unternavigation:
Meldung des Tages
22.05.08 14:10
Nach heftigem Streit hat das französische
Parlament ein Gesetz zum Anbau von gentechnisch...
[mehr]
zum Archiv

Zum Auftakt der
Konferenz
"Planet Diversity" fanden sich am Pfingstmontag in Bonn ein
breites NGO-Bündnis aus den Bereichen Umwelt und Entwicklung sowie
tausende engagierte Bürgerinnen und Bürger unter dem Motto
"Für biologische Vielfalt – regional, fair, gentechnikfrei!" zu
einer Demonstration und einem Festival zusammen.
[mehr]
Studien und Gutachten
Wir dokumentieren relevante
Studien
und Gutachten zur Agro-Gentechnik. In unseren
Hintergrundinformationen.
Was ist zugelassen?
Das u.a. durch verschiedene
Agro-Gentechnikfirmen, díe Bundesregierung und die europäische
Kommission geförderte Portal
www.transgen.de bietet
eine
Datenbanksuche
zu den in der EU zugelassenen bzw. im Zulassungsprozess befindlichen
GVOs an.
Risiko Gentechnik
Als Risikotechnologie unterliegt die
Agro-Gentechnik einer Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen und
Regelungen.
In unserem
Hintergrund Gentechnikrecht erfahren
Sie mehr.
Gentechnikanbau weltweit?
Zahlen und Datenmaterial zum weltweiten
Gentechnikanbau finden Sie in den
Berichten
der ISAAA.
Agro-Gentechnik nutzt nur einer Handvoll
multinationaler Firmen
Der Markt für gentechnisch
verändertes Saatgut befindet sich zu fast 100 Prozent in den Händen
von sechs weltweit tätigen Gentech- und Agrochemiekonzernen: den
US-amerikanischen Unternehmen Monsanto, DuPont/Pioneer und Dow
AgroScience, Syngenta mit Firmenzentrale in der Schweiz und den
deutschen Konzernen Bayer CropScience und BASF Plant Science. Er
umfasst ein Volumen von 5,25 Mrd. US-Dollar; das Volumen des
Saatguts, das weltweit gehandelt wird, beträgt Schätzungen zufolge
insgesamt etwa 25,2 Mrd. US-Dollar. In diesen Zahlen nicht enthalten
ist das Saatgut, das Landwirte durch Nachbau gewinnen und
untereinander tauschen. Schätzungen zufolge macht der Nachbau etwa
vier Fünftel des weltweiten Saatgutmarktes aus. Selbst in der
deutschen Landwirtschaft werden etwa 50 Prozent des Saatguts durch
Nachbau gewonnen.
Monsanto und ein
Beinahe-Monopol
Monsanto hält einen
Marktanteil von knapp 90 Prozent und verfügt damit über eine
monopolartige Stellung. Der Konzern vermarktet Soja, Mais und Raps
mit einer Resistenz gegen das firmeneigene Herbizid Roundup sowie
Bt-Mais und Bt-Baumwolle, die sich selbst gegen Schädlinge schützen
sollen - und kassiert damit gleich doppelt. Syngenta ist vor allem
mit Bt-Mais am Markt vertreten. Bayer Crop-Science vertreibt Raps-
und Maissorten, die eine Resistenz gegen das Bayer-Herbizid Liberty
(auch unter dem Namen „Basta“ im Handel) tragen.
BASF Plant Science hat
seinen Schwerpunkt auf die Genomfunktionsanalyse von Pflanzen
gelegt. Inzwischen hält kein anderes Unternehmen der Welt so viele
Patente auf Pflanzengenome bzw. Teile von Pflanzengenomen wie die
BASF. Das Geschäftskonzept scheint vom "Monopoly-Spiel" inspiriert.
Jeder, der bereits besetztes Terrain betritt, d.h. mit einem von der
BASF patentierten Gen arbeiten will, muss dafür Gebühren zahlen.
BASF ist bisher mit keiner genveränderten Pflanze am Markt
vertreten, rechnet aber mit der baldigen EU-Zulassung seiner
Stärkekartoffel. Diese soll Stärke für die Industrie liefern und ist
die erste und bisher einzige allein für technische Zwecke
entwickelte Gentech-Pflanze.
Auf genverändertes Saatgut setzen zudem zwei
mittelständische deutsche Saatgutunternehmen: die KWS Saat AG, die
Soja und Mais für den US-Markt anbietet (und seit 2006 auch eine
Variante des Gentech-Mais Mon 810 für deutsche Landwirte) sowie die
Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, die in Kanada mit
Raps am Markt vertreten ist.
Die Firmen haben eins gemeinsam: Sie wollen ihre
Gentech-Sorten möglichst weltweit absetzen. Von Interesse sind dabei
nicht nur die Industriestaaten mit zahlungskräftigen Landwirten,
sondern auch die Entwicklungsländer. Über Nahrungsmittellieferungen
mit Gentech-Mais versucht die USA, afrikanische Staaten zur
Akzeptanz der Gentechnik zu zwingen. 60 afrikanische Organisationen
haben sich Anfang Mai 2004 beim Welternährungsprogramm der UN
beschwert, dass sie Produkte akzeptieren sollen, die sich auf den
Weltmärkten nicht verkaufen lassen. Im Juli 2006 haben auch die
protestantischen Hilfswerke erklärt, dass sie im Rahmen ihrer
Hungerhilfe keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel verteilen
werden.
Bewegung im Markt
Waren die vergangenen Jahre durch Übernahmen und
Firmenfusionen geprägt, so bilden sich derzeit neue Formen der
Kooperation zwischen den großen Anbietern gentechnisch veränderten
Saatguts heraus. Die Konkurrenten von Monsanto schließen sich
zusammen, um die Nummer Eins auf dem Markt für transgene Pflanzen zu
attackieren.
Syngenta und DuPont gaben im März 2006 bekannt,
zukünftig Lizenzen für Pflanzenschutzmittel austauschen zu wollen.
Sie gründeten außerdem das Jointventure GreenLeaf Genetics LLC mit
dem Ziel, sich den Zugriff auf diejenigen Patente und Lizenzen zu
sichern, die der jeweils andere Partner für gentechnisch veränderte
Pflanzen innehat. Beide Unternehmen sind an der Neugründung zu je 50
Prozent beteiligt. Darüber hinaus stellt Syngenta der Firma Delta
and Pine Land die Patente seiner Gentech-Baumwolle zur Verfügung.
Der US-Saatgutproduzent Delta and Pine Land,
führender Hersteller von Baumwollsaatgut, soll nun seinerseits
aufgekauft werden. Entsprechende Absichten gab Monsanto im August
2006 bekannt. Monsanto will sich damit noch stärker als bisher
Zugang u.a. zum indischen Baumwollmarkt sichern. Nach jahrelangem
Rechtsstreit hat sich Monsanto zudem mit Dow AgroScience Anfang des
Jahres 2006 geeinigt, Patente der je eigenen genetisch veränderten
Pflanzensorten zum beiderseitigen Vorteil auszutauschen. Weiterhin
hat die Monsanto-Tochter American Seeds Inc. im Juni 2006 für 77
Millionen Euro fünf regionale amerikanische Saatgutfirmen
aufgekauft. Monsanto kontrolliert mit seinen Tochterunternehmen nach
eigenen Angaben nun die Hälfte des amerikanischen Saatgutmarktes.
Die BASF Plant Science hat im Sommer 2006 die
belgische Firma CropDesign übernommen. Damit will sie sich den
Zugriff auf die Entwicklung neuer Eigenschaften bei
Gentechnikpflanzen der so genannten zweiten Generation sichern, die
sich z. B. durch größere Unempfindlichkeit gegen Trockenheit oder
veränderte Inhaltsstoffe auszeichnen sollen. Konkret geht es um Mais
und Reis.
Inzwischen stehen manche Aktionäre von im
Gentech-Markt operierenden Konzernen den Aktivitäten der Firmen
kritisch gegenüber. So setzte der amerikanische Christian Brothers
Investment Service gemeinsam mit anderen DuPont-Anteilseignern im
April 2006 die Verabschiedung einer Resolution durch, die den
Konzern drängt, die möglichen finanziellen Risiken seines
Engagements im Bereich der Agro-Gentechnik auch in den Finanzplänen
auszuweisen.
Was macht Agro-Gentechnik für die Firmen
so attraktiv?
Was macht Agro-Gentechnik so attraktiv für diese
Konzerne? Insbesondere geht es den Unternehmen um das Patentrecht.
Das Patentrecht begünstigt die Hersteller von gentechnisch
verändertem Saatgut und benachteiligt die konventionellen
Pflanzenzüchter. Letztere schützen und vermarkten über das
Sortenschutzgesetz immer nur einzelne Sorten. Gentech-Unternehmen
dagegen können über das Patentrecht gleich mehrere Pflanzen auf
einmal für sich schützen, nämlich all jene, in die ein bestimmtes
Gen eingebracht ist. So umfasst ein einziges Patent von Monsanto 18
verschiedene Nutzpflanzen.
|